Gelebte Traditionen
Ein Stück Südtiroler Volkskultur
Wer verstehen will, wie die Menschen einer Gegend ticken, lernt viel vom Blick auf Tradition und Brauchtum. Manches hat seinen Ursprung in der bäuerlichen Kultur, anderes ist vom Kirchenkalender geprägt, der wechselhaften Geschichte des Landes oder der Landschaft. Bräuche verbinden Menschen und zeigen nach außen, was Identität im Kern bedeutet.
SchuachplattlN
Stimmung garantiert
Es ist ein traditioneller Volkstanz und ein besonders charmanter dazu: Schuachplattln. Der Name kommt vom rhythmischen Klatschen auf die Schuhe (aha!) und Waden (autsch!). Lederhose und Dirndl sind dabei ein Muss, genau wie Tanzelemente. Schuachplattln hat seinen Ursprung im Alpenraum, ist auf kirchlichen Festen und Dorffeiern fest verankert und kennt kein Alterslimit. Mehr regionale Identität geht nicht.
Goaßlschnöller
Die haben einen Knall
Das Vieh vor sich hertreiben und sich über die weiten Almen untereinander verständigen: Das Goaßlschnölln geht auf Brauchtum in der Südtiroler Almenwirtschaft zurück. Heute wird die Goaßl, eine Fuhrmannspeitsche mit Stock, lederner Schnur und Schmitze auf Festen und Umzügen geschwungen. Und Landesmeisterschaften gibt es in der Disziplin auch. Ein Hingucker, wenn die Goaßlschnöller loslegen.
Die Tracht
Das sitzt: Lederhose und Dirndl
Jede Region hat ihre Tracht. Eine ganz individuelle. Alleine in Brixen Südtirol unterscheidet sie sich je nach Tal und manchmal sogar Ortschaft. Getragen werden Lederhose und Dirndl zu festlichen Anlässen, sei es im Kirchenjahr oder bei Feiern im Dorf. Und auch wenn heute viel davon geredet wird, ob die Schleife beim Schurz der Frau links oder rechts gebunden ist (ledig? vergeben?) oder welche Stickerei eine Lederhose hat – geht es am Ende um eines: dass regionale Gepflogenheiten selbstbewusst gelebt werden.
Almabtrieb
Sichere Rückkehr nach einem langen Sommer
Wenn die Tiere im Herbst mit den Bäuerinnen und Bauern von den Hochalmen ins Tal zurückkehren, ist das mehr als ein Grund zur Freude. Es ist ein Ereignis, das viel erzählt von Wurzeln und Traditionen. Die Kühe festlich geschmückt, das Dorf in Erwartung, Musik, Schuachplattler, Goaßlschnöller und leckere Spezialitäten – immer zwischen Mitte September und Mitte Oktober.
Nikolaus & Krampus
Heute wird's was geben
Roter Mantel, weißer Bart, Mitra und Bischofsstab: Bei uns kommt der Nikolaus schon am 5. Dezember, beim großen Umzug durch die Ortschaften, natürlich flankiert von seinen Engeln. Man ahnt es schon: Die braven Kinder werden belohnt und wer nicht artig war… Bei den Krampusumzügen hingegen, längst Bestandteil der Adventszeit im Alpenraum, wird es düster und dämonische Gestalten mit Masken, Hörnern, Ketten und Glocken machen die Runde. Rund 1000 aktive Krampusse gibt es in Südtirol. Sie sollen ja eigentlich böse Geister vertreiben, flößen aber vor allem Respekt ein und bieten große Unterhaltung. Ein symbolischer Gegenpol zum sanften Nikolaus. Gegensätze ziehen sich schließlich an.
Herz Jesu Feuer
Brennende Liebe zur Sonnenwende
Wenn die Bergfeuer am zweiten Sonntag nach dem Fronleichnamsfest brennen, in Form von Kreuzen, Herzen oder christlichen Zeichen, wird in Südtirol traditionell des Widerstands gedacht. Bedroht durch die Truppen Napoleons I. kamen Tiroler Landstände 1793 in Bozen zusammen und schworen feierlich, das Land dem Heiligsten Herzen Jesu anzuvertrauen. Andreas Hofer erneuerte das Gelöbnis vor der Berg-Isel-Schlacht gegen Franzosen und Bayern. Tirols Truppen unter Hofer siegten und der Brauch wird bis heute gepflegt.